Fein Cera auf Leinwand

Sie “schwebt” gewissermaßen über allem: Die Holsteiner Stute Fein Cera, Olympiasiegerin in Athen und mit WM-Bronze 2003 dekoriert, bestes Pferd im Pferdewechsel bei der WM. Dort wo sie geboren wurde und im Alter von 28 Jahren 2019 auch verstarb, gibt es Fein Cera nun auf Leinwand gebannt. Mit wachem Blick im feinen Gesicht ist sie über dem Sprung zu sehen. Das großformatige Bild hängt in der großen Hallentür, vis-a-vis zu den Ahnen Gera und Retina, die an der anderen Giebelseite bereits als Gemälde verewigt sind. Und so wie die Pferde über Jahrzehnte moderner wurden, so spiegeln das auch die Gemälde der bedeutendsten Thormählen-Pferde an den Wänden der Reithalle wider.

Züchter Harm Thormählen erfüllte sich mit dem Gemälde der Künstlerin Heike Landherr aus Koberg einen Wunsch. Beide kennen sich lange, Heike Landherr schuf auch die Bronzeskulptur des Hengstes Capitol, der soviel Bedeutung für die Holsteiner Pferdezucht entfaltet hat und aus der Zucht der Familie Thormählen stammt. Jac Remijnse, Zuchtexperte aus den Niederlanden und eng verbunden mit dem Hof Thormählen, hielt bei der Einweihung des Gemäldes am 31. Juli 2020 folgende Rede:

Fein Cera als Gemälde in der Reithalle

Liebe Gäste, Als Harm mir vor einigen Wochen angerufen hat um heute eine Rede zu halten kamen viele Erinnerungen zurück aus die letzte zwanzig Jahre, das ich auf diesen Hof zu Gast war. Diese Erfahrungen haben meine Arbeit als Züchter und Journalist immer stark beeinflusst. Harm und Ingela schmücken ihren Hof seit vielen Jahren mit Gemälden von Erfolgspferden. Heute sind wir hier, um die Aufnahme von zwei neuen Gemälden in diese Serie zu feiern, und ich möchte einige Worte dazu sagen. Über die Geschichte dieser Erfolgszucht und der Abstammung der neu gemalten Pferde, die Stuten Fein Cera und Kaiserkrone.

Ein Züchter denkt immer in Generationen. Das gilt nicht nur für die Pferde. Harm’s Großvater Ferdinand war schon vor Hundert Jahre auf diesen Hof ein sehr erfolgreiche Züchter und Züchtete einflussreiche Hengste wie Mackensen und Makler die heute vertreten sind in die Abstammung von fast alle Holsteiner Pferde.

Harm’s Vater Rheder hat frühzeitig erkannt das die Zucht von Wirtschaftspferden keine Bedeutung mehr hatte und das moderne Springpferd war seine Vision. Wie kaum ein anderer Züchter in Europa hat Rheder dem Zuchtwechsel vom Arbeitspferd zum modernen Springpferd erfolgreicher vollzogen. Die Stuten aus der Linie, der bereits über Generationen auf diesem Hof gepflegt worden war, wurden radikal abgeschafft weil die sportliche Leistung fehlte. Für die aufbau von seine neue Zucht holte Rheder sich erfolgreiche internationale Sportstuten zurück nach Holstein wie Retina, Gera und Luna und enge verwanten von internationale Spitzenpferde wie Romanus und Baden. Mit die Vision um die beste Springpferde zu Züchten mit die beste Springpferde hatte Rheder ein Großen Weitblick.

In den letzten vierzig Jahren haben zwei Stutenstämme sich als Säulen gebildet unter der Zucht von Harm und Ingela. Sie haben Hof Thormählen ein weltweiten Ruf gegeben. Der Stamm von Capitol und der Stamm von Gera. Capitol ist einer der besten Vererber der Welt der letzte Hundert Jahre und war auf der letzte Olympische Spielen vertreten in die Abstammung von ein Drittel der teilnehmende Springpferde. Eine außergewöhnliche Leistung für ein Hengst der erst 1975 geboren wurde. Es kann gesagt werden dass mindestens fünfzig Prozent aller Pferde mit Schimmelfarbe im internationalen Sport Capitol-blut tragen. Er hat den Springsport weiß gemacht und Capitol ist hier auf dem Hof verewigt in einer Statue.

Der große Erfolg der Gera-Stamm ist das Lebenswerk von Harm und Ingela. Und die beiden neu gemalten Pferde Fein Cera und Kaiserkrone sind zwei Erfolgsstuten aus dieser Linie.

 Am Anfang der sechziger Jahren erzielte Gera als junges Pferd bereits große Erfolge im Springsport mit Harm. Sie siegten im Nationenpreis in Groningen und gewannen das SB-springen auf der Dobrock das sie teilen musste mit Olympiasieger Kurt Jarasinski und Alwin Schockemöhle. Gera war ein Ausnahme Springpferd und ein Jahr später war sie schon im Alter von sieben Jahre erfolgreich im Nationenpreis in Madrid mit Kurt Jarasinski, wonach Rheder sie verkaufte. Nach ihrer Sportkarriere wurde Gera zurückgekauft und Harm züchtete mit ihr zwei Töchter von Capitano, der Hengst, den sein Vater aus der legendäre Derby-Siegerin Retina gezüchtet hatte. Diese beiden Stuten, Larsa und Mandalayn, trugen als Töchter von Gera und Enkelinnen von Retina das beste Holsteiner Springblut.

Larsa ist Mutter der neu gemalten Stute Kaiserkrone. Kaiserkrone hat sich als hervorragende Zuchtstute bewährt und aus ihre Nachzucht stammen eine Reihe erfolgreicher Springpferde und gekörte Hengste. Kaiserkrone‘s Mutter Larsa ist auch Mutter der Hengst Lacapo der in den letzten Jahren seines Lebens hier auf dem Hof im Deckeinsatz war, und durch seinen Sohn Flemmingh weltweit großen Einfluss auf die Zucht hat. Larsa ist weiter Großmutter von der Hengst Der Kleine Lord, den ich während meinem Besuch im 2000 auf den Derbyplatz in Hamburg springen sah mit Philipp Baumgart.

Larsa‘s Schwester Mandalayn war wie ihre Mutter Gera ein Ausnahme Springpferd und wurde für der Sport nach Westfalen verkauft. Nach ihrer Sportkarriere kaufte Harm sie für die Zucht zurück und brachte nur eine Tochter im 1987 mit dem Namen Cera. Wie ihre Großmutter Gera wurde Cera ein Star im internationalen Springsport. Mit Paul Darragh gewann Sie den Großen Preis in Barcelona und das Weltcup-Springen in Sevilla. Anschließend gewann sie mit Otto Becker 1998 die deutschen Meisterschaften in Gera und den Nationenpreis in Aachen mit zwei fehlerfreien runden. Damit ist Cera einer der größten Erfolgsprodukte aus der Zucht von Harm und Ingela.

Wie ihre Mutter brachte Cera nur eine Tochter. 1991 wurde sie Mutter von Fein Cera, dem zweiten neuen Gemälde das heute präsentiert wird. Fein Cera war eine Ausnahme der Natur und wurde von Harm und Ingela im Alter von sechs Jahren als eines der teuersten Pferde Deutschlands nach Amerika verkauft an die Familie Firestone. Danach wurde sie geritten von Peter Wylde, mit dem Fein Cera bei den Weltmeisterschaften 2002 in Spanien Einzelbronze gewann und im Reiterwechsel das beste Springpferd der Welt wurde. Zwei Jahre später krönte sie ihre Ausnahmekarriere mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Athen mit der amerikanischen Mannschaft. Wie ihre Mutter und Großmutter brachte Fein Cera nur eine Tochter, die Stute Kleine Cera. Hier in Kollmar wurde sie ausschließlich für die Zucht eingesetzt, um den Erfolg der Gera-Linie für die Zukunft zu sichern. 2005 wurde eine Tochter von For Pleasure und Kleine Cera geboren, die als Fohlen an Prinzessin Haya von Jordanien verkauft wurde und 2016 unter dem Namen Ornellaia mit John Whitaker an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnahm. Es ist einzigartig in der Geschichte der internationalen Zuchtwelt, wenn sowohl eine Stute selbst als auch ihre Enkelin an Olympischen Spielen teilnehmen. Es ist eine einmalige Leistung, die Harm und Ingela erzielt haben mit Fein Cera und ihrer Enkelin Ornellaia. 

Harm und Ingela züchteten aus der Gera-Stamm auch den sehr erfolgreichen Hengst Cero. Er ist gezogen aus der Linie von Larsa und seine Großmutter ist eine Schwester von Kaiserkrone. Bevor Cero mit Francois Mathy Jr. international sprang, war er hier auf dem Hof im Deckeinsatz. Fein Cera‘s Tochter Kleine Cera wurde ebenfalls mit Cero angepaart. Das Produkt ist die Stute Zera, die von Philipp Baumgart für den Sport aufgebaut wurde und 2017 mit Pato Muente das Hamburger Springderby gewann. 58 Jahre nach ihrer Urgroßmutter Retina mit Fritz Thiedemann. Ein neues Höhepunkt für den Gera-Stamm und die Zucht auf diesen Hof.

Ich möchte weiter zwei persönliche Geschichten teilen. 2006 war ich während des Hamburger Derbys in Kollmar. Fein Cera war bereits aus dem Sport zurückgezogen, aber Peter Wylde nam als Reiter Teil in Hamburg. Dieses Wochenende durfte ich hier auf dem Hof an einem Familienessen teilnehmen mit Peter Wylde. Die Art und Weise wie Peter über Fein Cera sprach, das beste Pferd seiner Karriere, mit dem er Einzelbronze gewann bei den Weltmeisterschaften und Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen, ist ein Tag, an die ich mich immer erinnern werde. Fünf Jahre später saß ich mit Harm am Freitagabend in der Bar des Eurotels in Lanaken während der Weltmeisterschaften für junge Pferde. Er sagte dass er Fein Cera zurückkaufen könnte, dass sie viel Geld verlangten und sie fast zwanzig Jahre alt war. Er fragte was ich tun würde. Ich sagte „Du hast zwanzig Fein Cera-Enkel und Urenkel zu Hause im Stall. Ich würde sie zurückkaufen, es ist die beste Werbung für deine Zucht.“ Am Sonntagabend rief Harm mich um neun Uhr abends an und sagte „Ich habe Sie gekauft.“ Und er weinte am Telefon.

Züchten ist denken in Generationen. Die Linie von Derby-Siegerin Zera bis zu ihrer Urgroßmutter Gera zählt sechs Generationen. Wenn ein Züchter im Leben fünf neue Generationen züchten kann, von denen drei Stuten im internationalen Springsport glänzten, dann kann man von einem Meisterstück sprechen, der von Harm und Ingela erzielt wurde. Damit haben sie nicht nur die Tradition diesen Hof erhalten, sie haben von ihre Zucht ein Institut gemacht, mit Anziehungskraft auf Kunden, Reiter, Zuchtleiter und Journalisten aus der ganzen Welt. Ich danke Harm und Ingela für die enorme Gastfreundschaft, mit der ich hier immer empfangen wurde. Ich gratuliere zu den beiden neuen Gemälden, die die schöne Kulisse in der Reithalle ergänzen, und wünsche der neuen Generation auf diesem Hof viel Erfolg mit vieler neuer Erfolgskapitel.

Fein Cera als Gemälde in der Reithalle

Fein Cera

Adresse
Hof Thormählen
Selkweg 4
25377 Kollmar

Kontakt
Philipp Baumgart: 0172-4218881
Bettina Baumgart: 0173-2007110
E-Mail: info@hof-thormaehlen.de

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